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LUDWIGSBAD - INFO
Entstehung der kombinierten Suchthilfeeinrichtung
Die Idee, eine kombinierte Suchthilfeeinrichtung, für zwei scheinbar unterschiedliche Suchtgruppen, „chronisch Alkoholabhängige“ und „chronisch Drogenabhängige / Substituierte“, zu schaffen, entstand im Jahre 2003. Anstoß waren mehrjährige Erfahrungen aus den stationären Suchthilfeeinrichtungen „Haus Buchenwinkel“ in Icking und „Haus Eichenhain“ in Emmering, aus denen (im Januar 2005) die Suchthilfeeinrichtung LUDWIGSBAD in Murnau am Staffelsee entstand.
Die Grundprobleme und Grunderfahrungen, die jeder Bewohner durchläuft, bis er seinen Platz in der Gemeinschaft gefunden, sich selbst wieder annehmen und seinen Weg selbst bestimmen kann, sind unabhängig von der bis dahin bevorzugten Droge (unter den Begriff Drogen subsumieren wir alle zustandsverändernden Mittel: Alkohol, illegale Drogen und Medikamente).
Die Intensivgruppe: Als Teil der offenen Gemeinschaft wird seit August 2005 auch eine Wohngruppe, für abhängige Menschen mit wenig Motivation für therapeutische Hilfsangebote, bereitgestellt. Diese Suchtkranken, die ein hohes Rückfallrisiko aufweisen, können in dieser Gruppe intensiv (in einer geschlossenen Abteilung - 24 Stunden am Tag) betreut werden. Der Personalschlüssel ist entsprechend höher als in der offenen Abteilung. Ziel ist es, chronisch Suchtkranke mit Unterbringungsbeschluss für die weiterführenden Angebote der offenen soziotherapeutischen Gemeinschaft zu motivieren und zu befähigen.
Die Außenwohngruppe befindet sich in einem separaten Teil des Hauptgebäudes (mit eigenem Eingang. Die Mitglieder der Aussen-WG organisieren alle Dinge des täglichen Lebens selbst und besuchen externe Praktika.
Ziele im Rahmen des soziotherapeutischen Ansatzes
Grundlage ist die therapeutische Gemeinschaft mit strukturiertem Tagesablauf und größtmöglicher Selbstorganisation der Bewohner. Grundprinzip ist die Hilfe zur Selbsthilfe. In der Soziotherapie, so wie wir sie verstehen, heben sich drei Bereiche hervor:
- Aktivität: Die Erfahrung, dass Untätigkeit Menschen verkümmern lässt.
- Freiheit: Die Frage, wie viel Bewegungs-, Handlungs-, und Entscheidungsspielraum dem Einzelnen nutzt und wie viel ihm eher schaden würde, ist die Frage nach Handlungsstrukturen.
- Verantwortung: Die schrittweise Übertragung von Entscheidung und Verantwortung auf Personen - mit dem Ziel, daran zu wachsen.
Als Nahziel ist damit die schrittweise Steigerung der Leistung verbunden, die sich an den eigenen Möglichkeiten orientiert. Lebendiges Lernen entwickelt gerade im erlebten Alltag, in Gruppenprozessen und in der Wohngemeinschaft seine Stärke. Daraus entwickelt sich folgendes, für die soziotherapeutische Gemeinschaft chronisch Abhängiger: Dem Abhängigen muss geholfen werden, ein realitätsorientiertes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Dieses Selbstwertgefühl entsteht bei der erfolgreichen Bewältigung alltäglicher Probleme. Die Stärkung des Selbstwertgefühls ist die Voraussetzung für die Bewältigung der psychosozialen Probleme des Abhängigen.
Ziele und Schwerpunkte der Soziotherapie - in Stichpunkten:
- Leben und Erleben in einer Gemeinschaft
- In einer solidarischen Gemeinschaft, die Kraft und den Sinn für ein abstinentes Leben (wieder) zu finden
- Durchhaltevermögen im Arbeitsbereich
- Erlernen angemessener Kommunikationsmuster
- Erprobung neuer Konfliktlösungsstrategien
- Stärkung des Selbstwertgefühls
- Steigerung der Beziehungsfähigkeit
- Realistische Selbsteinschätzung
- Erhöhen der Frustrationstoleranz
- Umgang mit Krankheit(en) und Sucht
- Stabilisierung und Verbesserung des psychischen und physischen Allgemeinzustandes
- Verbesserung sozialer und emotionaler Kompetenzen
- Übernahme von Verantwortung
- Sinnvolle Freizeitgestaltung
- Entdeckung neuer Interessen und Hobbys
- Umgang mit Geld/Schulden
- Entwicklung von Rückfallvermeidungsstrategien
- Verfolgung individueller Ziele und Strategien
- Aktivierung eigener, lebensfördernder Ressourcen
- Wiederaufbau von Familienkontakten
- Aufbau eines drogenfreien, sozialen Umfeldes
- Praktikums- und Ausbildungssuche
- Unterstützung bei der Außenorientierung oder
- Wechsel in eine andere Therapie- oder Wohnform.
Alltag und Angebote: Im Vordergrund steht die Bewältigung und Organisation des Alltags. Angefangen bei der Körperhygiene, über den pfleglichen Umgang mit Einrichtungsgegenständen, Arbeitsmaterialien und Lebensmitteln, das Gestalten und in Ordnung halten des eigenen Wohnbereichs, bis hin zur Übernahme von Verantwortung für Mitbewohner, bietet der Alltag ein vielseitiges Erprobungs- und Trainingsfeld.
Arbeitsgruppen: bieten das zeitlich größte Trainingsfeld - mit Werkstätten im Holz- und Kreativbereich (von der Möbelrestauration bis zur Spielzeugherstellung), dem Küchen- und Hauswirtschaftsbereich (mit Renovierung), dem Garten, externen Auftragsarbeiten und begleiteten Praktika. Bei den täglichen Arbeitsbesprechungen werden mit den Arbeitstherapeuten die Tagesplanung und das Tagesziel festgelegt. Hierbei werden auch die Scheckpunkte für die langfristigen Förderziele festgestellt und geprüft.
Interne Gruppen: sind fester Bestandteil des Alltags - sie bieten das Forum für:
- Information
- Konfliktbewältigung
- Erfahrungsaustausch
- Fragen der Organisation des Zusammenlebens
- Reflexion des eigenen Verhaltens
- Rückfallgefahren und Rückfallvermeidung
- Organisation und Planung.
Die wichtigsten Gruppen sind: Die täglich stattfindenden Etagen- und Arbeitsgruppen, die wöchentlichen Gruppen, wie Groß-, Klein-, Freizeit-, Frauen- und Männergruppe und der Bewohnerbeirat. Hinzu kommen offene Gesprächskreise (monatlich) und die Selbsthilfegruppe (14tägig). In allen Gruppen zeigt sich immer wieder, dass die Bewohner die besten Experten sind.
Externe Gruppen: Der Besuch externer Gruppen – besonders Sucht- und ähnliche Selbsthilfegruppen – wird von uns sehr unterstützt. Für uns gilt weiterhin das Motto: Jeder muss es selbst schaffen – keiner schafft es allein! Zu den externen Gruppen zählen wir aber auch Vereine und Weiterbildungsangebote.
Einzelgespräche stellen eine Ergänzung zu den Gruppenangeboten dar. Sie dienen - eher selten - der Krisenintervention; meist werden hier, unter Berücksichtigung der bisherigen Entwicklung, Inhalte und Ziele sowie die hierfür notwendigen Strategien und Teilschritte vereinbart.
Freizeit- und Förderangebote: Neben den Gruppen und der Arbeit ist die Freizeitgestaltung ein weiterer, wichtiger Bestandteil des soziotherapeutischen Ansatzes – der auch in die individuelle Zielplanung eingeht.
Das Haus selbst verfügt über einen großen Fitnessraum, einen Kreativraum, Fernsehräume und Wohnzimmer. Zur freien Nutzung stehen Kraft- und Gymnastikgeräte, Tischtennisplatten, Billardtisch, Leihräder, eine kleine Bücherei und Spiele, Video- und DVD-Player bereit.
Diese ständigen Möglichkeiten werden durch pädagogisch unterstützte Angebote ergänzt: Ausflüge, Wanderungen, Radtouren, Kegeln, PC-Kurse, Deutschkurse, Kochkurse, Gedächtnistraining, Fitness, Nordic-Walking, Gymnastik, Joggen, Fußball, Schwimmen.
Umgang mit Rückfällen
Der Rückfall gehört, vor dem Hintergrund unseres therapeutischen Grundverständnisses, zum Wesen einer chronischen Suchterkrankung. Wir sehen darin, die noch ungenügende Fähigkeit des Suchtkranken, sich dauerhaft vom Suchtstoff zu distanzieren. Diese ist um so ausgeprägter, je stärker der Gesundheitszustand durch Mehrfach– oder Folgeerkrankungen beeinträchtigt ist. Um die Wahrung eines suchtmittelfreien Rahmens für alle Bewohner zu gewährleisten, kann ein Rückfall aber auch den Ausschluss aus der Therapeutischen Gemeinschaft zur Folge haben. Im Vordergrund steht die individuelle Rückfallbewältigung, die sich als Hilfe und erneute Hinführung zu einem abstinenten Leben versteht und nicht die Verhängung von Sanktionen oder Strafen. Dies wird wesentlich gewährleistet durch regelmäßige Reflexionen des Themas in Klein- und Großgruppen anhand auftretender Beispiele sowie Kontrollen (Alkohol- und Urintests) im Sinne einer Ersatzstruktur für fehlende Selbstkontrolle.
Ein Rückfall kann eine Chance sein, aus dem der Betroffene und die Gemeinschaft gestärkt wieder hervorgehen können. Ein Rückfall kann aber auch zur Entlassung führen! Mit einem Rückfall ist der Betreuungsvertrag erst einmal außer Kraft gesetzt. Die letzte Entscheidung, über die Entlassung oder die Fortführung der Betreuung, wird durch das Team getroffen. Bei dieser Entscheidung fließen die Erfahrungen und Einschätzungen der Mitbewohner maßgeblich mit ein.
Pädagogische und medizinisch-psychologische Betreuung
Das Team setzt sich aus unterschiedlichen Professionen zusammen und arbeitet interdisziplinär: Pädagogen, Psychologin, Ergotherapeutinnen, Arbeitserzieher, Handwerksmeister, Krankenschwestern und Nachtdienste. Hinzu kommen nichttherapeutische Mitarbeiter: Hausmeister, Verwaltungsangestellte und Fahrdienst.
Die medizinisch-psychologische Betreuung ist über niedergelassene Ärzte, Psychiater und Psychologen gewährleistet. Krankenschwestern decken im Haus den medizinischen Dienst ab. Die Ärzte werden bei Fallbesprechungen teilweise beratend hinzugezogen.
Haus und Lage
LUDWIGSBAD liegt etwa 10 Fußminuten vom Murnauer Ortskern und 35 Minuten vom Staffelsee entfernt. Der Bahnhof ist in ca. 30 Minuten zu Fuß erreichbar. Züge nach München und Garmisch fahren im Stundentakt.
In der Nähe sind die Murnauer Badeseen. Sie zählen zu den wärmsten Seen in Bayern. Strandbäder sowie idyllische Badeplätze laden ein zu Sport, Spaß und Erholung am Staffelsee, Riegsee und Froschhauser See. Mit seinen Inseln und dem weichen Wasser ist der Staffelsee einzigartig.
Das Haus liegt in einem historischen Park (Seidlpark) der, Anfang des 20. Jahrhunderts, von dem Architekten Emanuel von Seidl, angelegt wurde.
Künstler wie Kandinsky, Münter und Horváth lebten und arbeiteten in Murnau und ließen sich von der malerischen Bergkulisse, der Seen- und Moorlandschaft inspirieren.
Vielfältige Kulturangebote, Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten liegen unmittelbar vor unserer Haustür. Für Radtouren stehen hauseigene Fahrräder bereit. Ausflüge mit dem Hausbus werden am Wochenende (14tägig) angeboten.
Haus und Ausstattung
Das Haus ist sehr großzügig geschnitten und bietet viel Raum für Arbeits-, Gruppen-, und Freizeitangebote.
Jedem Bewohner steht ein Einzelzimmer mit Flur, WC und Dusche oder Bad zur Verfügung – die meisten Zimmer haben auch einen eigenen Balkon. Alle Zimmer sind möbliert. Auf jeder Wohnetage sind 2 Wohnzimmer (Raucherraum und Fernsehraum).
Im Keller ist ein sehr großer Gymnastik- und Fitnessraum, der mit Kraft- und Sportgeräten ausgestattet ist. Dieser Raum kann, neben den Gruppenangeboten, auch individuell genutzt werden. Ähnliches gilt auch für die Nutzung von Kreativ-, PC-, Schulungs-, und anderen Räumen. Neben einem Poolbillardtisch im Foyer stehen Bücher, Spiele, Kicker und Tischtennis jedem Bewohner zur Verfügung. Zur Einrichtung gehören außerdem eine große Sonnenterrasse und ein großer Garten, der nahtlos in den Seidlpark übergeht.
Der Fußballplatz in Hechendorf steht unserer Einrichtung einmal wöchentlich zur Nutzung frei und ebenso dürfen wir die Sporthalle, in der nahe gelegenen Unfallklinik, zweimal wöchentlich nutzen.
Im Haus ist ein eigenes Münztelefon und direkt vor dem Haus ist ein öffentliches Kartentelefon installiert.
Zielgruppe, Kostenträger und Anspruchsgrundlage
Anspruch auf Eingliederungshilfe haben volljährige, chronisch abhängige Frauen und Männer, die aufgrund ihres langjährigen Suchtmittelmissbrauches erhebliche Störungen in ihren geistig-seelischen, sozialen und körperlichen Funktionen aufweisen, so dass sie der Unterstützung in einer stationären Einrichtung (zur Durchführung von Maßnahmen der Eingliederungshilfe) bedürfen.
Aufgrund ihrer langjährigen Abhängigkeit, mit entsprechend häufigen Vorbehandlungen, sind die Bewohner zum Aufnahmezeitpunkt meist beruflich und sozial desintegriert und entwurzelt. Sie erfahren selten Unterstützung durch Familie, Verwandte oder Freunde. Meist fehlt ihnen auch die Kompetenz, alltägliche Anforderungen eigenständig zu bewältigen. Die Behandlungsdauer ist zeitlich unbefristet und richtet sich nach der individuellen Entwicklung. Eine medizinische Rehabilitation kommt zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht in Frage.
Anspruchsgrundlage für die Kostenübernahme ist vorwiegend Eingliederungshilfe nach §§ 53, 54 ff. Sozialgesetzbuch (SGB) Zwölftes Buch (XII) - teilweise in Verbindung mit dem BSHG, sowie nach dem SGB IX.
Hauptkostenträger ist der überörtliche Sozialhilfeträger, hier der Bezirk Oberbayern. Darüber hinaus sind einzelne, andere Sozialhilfeträger möglich.
Die Aufenthaltsdauer ist generell unbefristet und richtet sich nach dem individuellen Verlauf.
Die heterogene Alters- und Entwicklungsstruktur verlangt nach individuellen Planungen und Zielsetzungen. Das Team muss sich deshalb immer wieder ganz persönlich auf die unterschiedlichen Voraussetzungen, Möglichkeiten und Zielsetzungen einstellen, um jedem Einzelnen bestmöglich gerecht werden zu können.
Die individuelle Zielbestimmung erfolgt immer im Rahmen des soziotherapeutischen Ansatzes. Das Fernziel, die zufriedene Abstinenz und die Wiedereingliederung in eine eigene Wohn- und Arbeitswelt, ist sicherlich nur langfristig erreichbar - es sollte aber grundsätzlich vorstellbar und erstrebenswert sein.
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